… darum wird die Markise, Markise genannt

Marquise Elisabeth von Dübach

Die Marquise Elisabeth von Dübach

Eine der Kurzgesichten von Eliane Maurer

Skizze zu Markisen Story

Ob der Marquise Elisabeth von Dübach
dieses Model gefallen hätte?

Verzweifelte Schreie drangen aus dem Schlafgemach der Marquise Elisabeth von Dübach.
Der ganze Hofstaat hielt den Atem an und schaute mit Entsetzen auf die schwere, geschlossene Holztüre, die zu Elisabeths Gemach führte.

"Ein Arzt, schnell ein Arzt"
rief die alte Zofe voller Angst.
"Ist denn niemand hier, der ihr helfen kann ?"

Die Dienerschaft machte dem Arzt, der sich mit schnellen Schritten und ernstem Gesicht dem Zimmer der Marquise näherte, platz.

Ein kurzes Klopfen und er trat ein. Es bot sich ihm ein Bild des Jammers.
Elisabeth, die wunderschöne Marquise, sass vor ihrem mit Gold verziertem Spiegel. Ihre zarten Hände verdeckten ihr schönes Gesicht und grosse Tränen kullerten zwischen ihren feingliederigen Fingern hervor.

"Meine liebste Elisabeth, was ist passiert ?"

Sorgfältig, mit viel Gefühl, löste der Arzt ihre Hände von ihrem Gesicht.
Erstaunt sah er sie an. Sie war schön und lieblich wie immer, grosse braune Augen, ein weisses, schmales, makelloses Gesicht.
Aber dann sah er die Ursache des Entsetzens.
Eine kleine, freche Sommersprosse sass mitten auf der makellosen Nase von Elisabeth.

"Jetzt kann ich bei Sonnenschein nie mehr meinen geliebten Blumengarten besuchen",
weinte sie.
"Wie aber kann ich ohne meine Blumen weiter leben?"

Elisabeth schluchzte und man sah ihr die Verzweiflung an."
Meine Liebe", sagte der Arzt, "diese kleine Sommersprosse steht Ihnen sehr gut, man könnte fast sagen, sie sehen zauberhaft aus damit."

Es nützte alles nichts, Elisabeth blieb in ihrem Schlafgemach, die roten, schweren Samtvorhänge zugezogen, damit keine Sonnenstrahlen durch das Zimmer dringen konnten.

Als der junge Gärtner von dem Drama mit der kleinen, frechen Sommersprosse hörte, wurde er ganz traurig. Er liebte die Marquise und konnte sich ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.

Er wollte und musste sie unbedingt wiedersehen. Da kam ihm eines nachts, bei Vollmond, eine fantastische Idee.

Er musste ein Sonnendach erfinden, das trag- und faltbar war und keine Sonnenstrahlen durchlies.

Er holte sich vier grosse, starke Pferdedecken, nähte sie zusammen, befestigte vier Holzstangen an jeder Ecke und steckte sie über den Blumengarten.

Altes Gebäude mit Markisen

Altes Gebäude mit alten Markisen

Von diesem Tag an wurde das Sonnendach zum Andenken an die zauberhafte Elisabeth Marquise von Dübach, Markise genannt.

Der Gärtner und seine geliebte Elisabeth wurden ein heimliches Liebespaar. Es gab auch noch ein paar kleine süsse Sommersprossen mehr auf der Nase der schönen Marquise. 

Aber da ihr Gärtner diese kleinen braunen Pünktchen immerzu küssen wollte, hatte sie langsam aber sicher gefallen daran gefunden.

...

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